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Bedeutungsverlust der Kirche

Die Bedeutung der Kirche muss anfangs bekannt gewesen sein und zwar durch Erfahrung des kirchlichen Lebens. Denn einerseits gibt es nichts Bedeutungsloses und andererseits können sich Menschen nur für das interessieren, was sie als notwendig, nützlich oder angenehm und in dieser Hinsicht bedeutsam erkannt haben. Ob ihnen etwas nicht fehlen darf, was sie erkannt haben, zeigt, inwiefern sie die Bedeutung für sich erkannt haben.
Solange jemand die Bedeutung einer Sache nicht kennt, weiß er nicht, was ihm fehlt, auch wenn es ihm fehlt.
Wer die Bedeutung der Kirche nicht kennt, kann „nichts mit ihr anfangen“. Er „braucht“ sie nicht.
Die Bedeutung einer Glaubensgemeinschaft wird nicht allein von Glaubenden erkannt, sondern von allen, die sie als ein ausgezeichnetes Miteinander aus Erfahrung kennen. Anderenfalls könnte sich niemand der Kirche anschließen. Ohne Erfahrung kann die Bedeutung nur genannt werden. Solange die Bedeutung aus Erfahrung ausbleibt, kann man bei allem Wissen um die Bedeutung auf Distanz bleiben. Durch Information wird in dieser Hinsicht niemand „ergriffen“. Dennoch muss um die Bedeutung der Kirche gewusst werden.
Der Ursprung der Kirche liegt in der Mitteilung des Menschseins Gottes. Durch die Annahme seines Menschseins wurden und werden Menschen fähig, ein Zusammenleben zu verwirklichen, wo jeder sein kann, was er für Andere sein soll. In einer Gemeinde kommt das zum Ausdruck.
Zumindest in unserem Land lebt jeder in einem kirchlichen Ortsverband, einer Pfarrei. Inwiefern eine Pfarrei auch eine Gemeinde ist oder ob es in ihr mehrere, aber dann defizitäre Gemeinden gibt, kann man erst vor Ort feststellen. Die Zahl der Getauften in einem Ortverband lässt sich zwar feststellen, das Interesse an der Gemeinde aber ist sehr verschieden. Das zeigt die Beteiligung an den „Veranstaltungen“ in der Pfarrei. Sind die Pfarrangehörigen damit zufrieden, meint man, das sei eine Gemeinde.
23.5.12 09:58


Kommentar zu den Evangelien der 7. Osterwoche B - 21.-26. Mai 2012

Montag, 21. Mai
Joh 16,29-33
Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

• Mag die Verbundenheit Jesu mit seinen Jüngern auch fortdauern, ihre Gestalt ist vergangen. Die Folgen sind für die Jünger einerseits ein Gewinn, andererseits aber auch voller Bedrängnis. Das Leben bleibt ein Leben in der Heilsdifferenz.

Dienstag, 22. Mai
Joh 17,1-11
Jesus erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

• Die Offenbarung Gottes besteht nicht allein in der „Botschaft“ Jesu, sondern in der Reaktion der Menschen auf das Wirken Gottes. An ihrem Verhalten erkennen die Menschen, was Gott ihnen ermöglicht hat.

Mittwoch, 23. Mai
Joh 17,6.11-19
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

• Die Jünger werden in die Selbständigkeit entlassen. Dazu wurden sie befähigt. Sie sind in die Welt gesandt. Sie ist der Adressat des Heiles.



Donnerstag, 24. Mai
Joh 17,20-26
Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

• Die Einheit ist das Kriterium für die Annahme des Menschseins Gottes. Anderenfalls bleibt die Abgrenzung bestehen.

Freitag, 25. Mai
Joh 21,1.15-19
Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

• Petrus kann nur seine Absicht erklären. Die Erfüllung dessen, sein zu können, was er sein soll, hängt von der Verfügung über ihn ab. Die Verfügung über den Menschen nennen wir Schicksal. Gott als Schicksal verstehen zu können, kann aus einer Glaubenslehre nicht entnommen werden. Das hängt von der Erfahrung ab.


Samstag, 26. Mai
Joh 21,20-25
Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, (diesem) folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?
Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.

• Die Nachfolge Christi kann nicht durch eine Lebensordnung erfüllt werden, die das Lehramt kennt und durchsetzen will. Sie geschieht in der Annahme des Menschseins Gottes. Doch das hängt vom Willen zum Fortschritt, der Metanoia, ab. Angenommen ist das Menschsein Gottes, wenn jemand zu Gunsten anderer wirkt.
20.5.12 17:34


Kommentar zu den Perikopen des 7. Ostersonntags B - 20. Mai 2012

1. Lesung Apg 1,15-17.20-26
In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder - etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen - und sagte: Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Gehöft soll veröden, niemand soll darin wohnen! und: Sein Amt soll ein anderer erhalten! Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde, - einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

Für die Nachwahl eines Apostels war kein langes Konklave erforderlich. Die Apostel haben jedoch keineswegs einen Nachfolger für die Stelle des Judas „ausgeknobelt“, weil keine Personalakten angelegt waren. Die Voraussetzungen müssen erfüllt werden und sind sie erfüllt, ist das Verfahren der Auslosung frei vom Verdacht der Manipulation, oder der Begünstigung.
Inzwischen sind die Voraussetzungen für die Verleihung kirchlicher Ämter festgelegt. In einem Gnadensystem werden keine „Stellen ausgeschrieben“ und Bewerbungen angefordert, sondern die „Stellenbesetzung“ wird nach Aktenlage für den Fortbestand des Systems vorgenommen. Mit einer entsprechenden „Entweltlichung“ ist nicht zu rechnen.

2. Lesung 1 Joh 4,11-16
„Er hast uns seinen Geist gegeben“. Infolgedessen können die Empfänger des Geistes liebende Menschen sein. Sie müssen das jedoch „bekennen“, also bleiben wollen.
Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.


Evangelium Joh 17,6.11-19
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Was ist „Offenbarung des Namens“ Gottes? Mit dem Namen ist das unverwechselbare, einmalige Wesen gemeint.
Was einmalig ist, verdient höchstes Interesse. Es kann nicht gegen etwas Besseres ausgetauscht werden Dann aber muss es auch bleiben. Gott ist eine bleibende, unvergängliche Wirklichkeit. An ihr Anteil zu bekommen, ist die einzige Möglichkeit für die Menschen, der Vergänglichkeit zu entkommen. Die Möglichkeit wird Wirklichkeit, wenn es einen Mittler zwischen Gott und den Menschen gibt, weil in ihm vergängliches, geschaffenes Menschsein und unvergängliches, ungeschaffenes Leben eine Einheit bilden. Diese Einheit bewirkt Einheit, so dass „sie eins sind wie wir.“ Sie haben Gottes konstitutives Wort gehört. Das erweist sich an ihrer „Freude in Fülle“. Sie ist die Erfahrung des Überschusses des Guten. Aber die „Welt“ hasst sie, weil sie anders sind. Sie sollen nicht aus der Welt verschwinden, sondern sich durch die Wahrheit in der Welt behaupten.
Die Wahrheit ist das Erste und der Zugang zu allem, was sie zu erkennen gibt. Darum sagt Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Die Wahrheit gibt sich nicht nur zu erkennen und kann dann ausgesagt werden, sondern sie lässt sich verwirklichen, weil sie als Wahrheit Gottes mit seinem Wirken zusammenfällt: „Wer sie Wahrheit tut, kommt ans Licht.“ (Joh 3,21).

• Das Apostelkollegium sollte nach dem Verrat des Judas ergänzt werden. Notwendige Voraussetzung für die Verkündigung der Auferstehung ist die gemeinsame Zeit mit der Lehrtätigkeit Jesu. Die Heilsverkündigung muss dazu führen, dass die Menschen durch die Nächstenliebe als Gabe Gottes erfahren, was sie mit ihm zu tun haben.
Die Heilsverkündigung ist das fortwährende Wirken des Auferstandenen durch die Apostel.
19.5.12 08:45


Kommentar zu den Evangelien des 18. und 19. Mai 2012 in der 6. Osterwoche

Freitag, 18. Mai
Joh 16,20-23
Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben.

Das Miteinander ist vielgestaltig. Es ist jedoch immer an eine bestimmte Gestalt gebunden. Wenn die eine Gestalt aufhört, ist die nächste nicht schon da. Wenn beispielsweise „die Kinder aus dem Hause gehen“, sind die Eltern darüber nicht erfreut. Aber die Verbundenheit hört nicht auf.
Unsere Verbundenheit mit Gott erkennen wir an der Erwiderung dessen, was Gott bei uns bewirkt. Gott ist Geber seines Menschseins. Durch unser Verhalten zeigen wir, was uns das Menschsein bedeutet.

Samstag, 19. Mai
Joh 16,23-28
An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben. Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist. Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkünden werde. An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten und ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.

Das Miteinander Jesu mit seinen Jüngern wird durch sein Sterben nicht beendet. Es nimmt neue Gestalt an. Diese Umgestaltung tritt nicht von selbst ein, sondern sie muss „erbetet“ werden. (Sicherlich nicht mit Rosenkranz-Beten). Dem Menschsein Gottes sollen die Jünger immer neue Möglichkeiten öffnen. Im Umgang miteinander gibt es kein stereotypes Verhalten, so dass die neuen Möglichkeiten sich dort zeigen. Ob darin die „Gemeinschaft mit dem Herrn“, die mit dem Wort Kirche zusammenhängt, dürfte nicht leicht zu erkennen sein, wenn die meisten Getauften nicht daran interessiert sind, der Kirche eine bedeutsamere Gestalt zu geben. Sie müssten zunächst einmal wissen lassen, was einem Menschen fehlt, der nichts mit der Kirche zu tun haben will.
17.5.12 17:30


Kommentar zu den Perikopen des Hochfestes Christi Himmelfahrt B - 17.05.2012

1. Lesung Apg 1,1-11
Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Lukas mag wie ein Reporter vorgehen, aber er liefert seinem Auftraggeber keine bloße Reportage, sondern zwei theologische Werke. Er zeigt am Verhalten Jesu wie die Menschen sich verstehen sollen. Sie sollen jenen eine neue Zukunft ermöglichen, die am Rande der Gesellschaft leben: Zöllner, Sünder, Arme, Kranke und Frauen. Wer etwas über den Umgang Jesu mit Frauen wissen will, kann es bei Lukas lesen.
Die vierzigtägige Unterrichtung der Jünger durch den Auferstandenen war keine nachträgliche Schulung der Jünger, sondern eine Bewusstseinsbildung durch den Geist des Auferstandenen. Es mussten die Voraussetzungen für den Entschluss zur Verkündigung des Gottesreiches geklärt werden.
Wann die Geschichte ihr Ziel erreicht hat, können wir einmal deswegen nicht wissen, weil die Geschichte so lange andauert wie es Menschen auf Erden gibt und sie nicht im Frieden endet, sondern in einer Vielzahl von Katastrophen, die niemand verhindern kann.
In der Welt gibt es kein Leben außerhalb der Macht der Negativität, aber innerhalb der Welt gibt es einen Bereich der Macht unbedingter Positivität. Das ist der Wirkbereich des Heiligen Geistes, der auf die Menschen „herabkommt“ und von ihnen weiterwirkend ausgeht.
Der Umgang mit Jesus hatte für die Jünger ein zeitliches Ende. Das Verhältnis zu ihm war dadurch nicht beeinträchtigt. „Dieses Jesus… wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ Das konstitutive Wirken des Gottmenschen Jesus Christus hört nicht auf.

2. Lesung Eph 1,17-23
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird. Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht.

Geist ist Bewusstsein schaffendes und bildendes Leben oder Leben als sich hervorbringendes Selbstbewusstsein. Das Verstehen aber ist eine besondere Leistung der Erkenntnis. Im Verstehen tritt das jeweils Andere so ins Bewusstsein, dass der Mensch nicht nur etwas feststellt, aber ihm „verständnislos“ gegenübersteht, sondern die Bedeutung erkennt und ein Verhältnis dazu eingehen kann, indem er Folgerungen daraus zieht. Es gibt ohne Verständnis keine Interessen. Denn Interesse ist der Wille zur Teilhabe.
Das Selbstverständnis ist das Bewusstsein von sich selbst. Es sieht sich im Raum von Erinnerung, Absichten, Interessen und Möglichkeiten, also nie ohne sie. Was im Bewusstsein nicht erscheint, liegt unbekannt hinter dem Horizont des Bewusstseins. Darüber hinaus interessiert zu sein, wünscht der Apostel Paulus den Gläubigen in Ephesus: Sie sollen Gott erkennen als den Geber von Weisheit und Offenbarung, damit sie verstehen, mit welcher Hoffnung sie beschenkt sind und welchen Reichtum sie erben werden.
Es gibt ein Menschsein, dem nichts fehlt. Das ist Jesus Christus, dem das Menschsein Gottes ursprünglich eigen ist. Es ist unüberbietbar und verschenkt sich an die Menschen.

Oder
Eph 4,1-13
Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat. Deshalb heißt es: Er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene, er gab den Menschen Geschenke. Wenn er aber hinaufstieg, was bedeutet dies anderes, als dass er auch zur Erde herabstieg?
Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen. Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.

Was die Menschen mit Gott zu tun haben, zeigt sich an ihren Fähigkeiten, durch die sie anderen zu dem verhelfen, was sie allein nicht verwirklichen können. Fähigkeiten zur Befähigung anderer einsetzen zu können, heißt im biblischen Sinn anderen „dienen“. Mehr kann niemand tun. Das Ziel ist es, in mannigfaltigen Weisen des Miteinanders das Menschsein Gottes „in seiner vollendeten Gestalt dazustellen“. Ohne Gestalten erkennen wir nichts. Dem Wesen Gestalt zu geben, heißt lebendig zu sein.

Evangelium Mk 16,15-20
Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.

Was würde den Menschen fehlen, wenn es keine Verkündigung des Evangeliums gäbe? Religionen gibt es auch außerhalb des Evangeliums. Die Verkündigung muss die Menschen zu einer Lebensweise befähigen, durch die sie neuen Sinn in das Leben bringen, der zugleich unvergänglich bleiben muss. Das ist ohne den Geist Gottes nicht möglich.
Die Kompetenz der Jünger erweist sich in ihrem Wirken. Sie können etwas, was Menschen „normalerweise“ nicht können: Tödliche Gefahren überleben und Kranke durch bloße Handauflegung heilen.

• Ein unmittelbares Interesse haben die Menschen am Naheliegenden, an den Lebensumständen. – „Stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ – Die vorauszusetzenden Geisteshaltungen regeln jedoch die Interessen und das Verstehen. Über das Selbstverständnis – die „Augen des Herzens“ - hinaus oder daran vorbei kann niemand etwas verstehen und auch nicht tun. Das Selbstverständnis zu erhellen, ist eine Voraussetzung für das Interesse an einem Gottesverhältnis. Wird dieser Bildungsprozess nicht aufgegriffen, bleibt es bei der ratlosen Klage: Es gelingt immer weniger, die Botschaft Jesu zu vermitteln.
16.5.12 09:33


Wieso ist die Kirche gegenwärtig hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt?

• Sobald der Einzelne oder Gruppen ratlos sind, sind sie auf sie selbst fixiert. Der Ausweg aus der damit verbundenen Selbstbeschäftigung sind Aufgaben. Das weiß man zwar, aber die Erfüllung der Aufgaben hängt auch vom Interesse der Adressaten ab. Als die meisten Getauften sich noch fremdbestimmt verhielten, hatte es die Amtskirche „leicht“. Sobald die Menschen zur Selbstbestimmung fähig und entschlossen sind, muss man ihnen für das, was man ihnen sagt, Gründe nennen. Darauf kann man in der Kirche vergeblich warten. Gründe gelten nicht manchmal oder ungefähr, sondern immer und bestimmt. Sie sind also ver-bindlich.
Die Aufgabe der Kirche besteht darin, den Menschen zu sagen, wodurch sie werden können, was sie in jeder Hinsicht sein sollen. Die dafür erforderlichen Voraussetzungen liegen in der Geistesverfassung des Menschen. Darüber Aufschluss zu geben, ist Aufgabe des Lehramtes. Die Geistesverfassungen bei sich und anderen zu bilden und zu begünstigen, ist die Aufgabe jedes Getauften. Sollte das Lehramt Jahrhunderte hindurch das Selbstverständnis der Getauften mit einer Gotteslehre überlagert haben, die über Gotteserfahrungen nicht redet, weiß sie um das Ergebnis im Selbstverständnis der Getauften und darum auch um die erste Aufgabe zugunsten der Getauften, nämlich das Glaubensverständnis mit dem Selbstverständnis zu verbinden. Das Verständnis regelt das Verhalten. In der daraus hervorgehenden Lebensweise zeigt jeder in vielen Situationen, was jemand sein kann. Das aber muss ihm ermöglicht werden. Die Bedeutsamsten Situationen bestehen im Umgang miteinander. Mit einem exemplarischen Umgang der ersten Christen hat die Kirche begonnen. Warum ist sie heute ratlos? Wenn sie es nicht wissen könnte, müsste sie ratlos bleiben.
15.5.12 09:45


Frage an Pastor Holzauge über die Bedeutung der Kirche

Was würde jemand in der Kirche finden, außerhalb der Kirche jedoch nie?

• Zweifellos würde er etwas zu hören bekommen, was keine andere Instanz in der Welt sagt: Dass es eine Inkarnation Gottes gibt; dass die unvergängliche Wirklichkeit Gottes sich vorbehaltlos an die Welt mitteilt. Und dass die Reaktion auf die Selbstmitteilung Gottes an den Menschen zum Ausdruck kommt, die das können, was ohne die Selbstmitteilung Gottes nicht möglich ist, nämlich eine exemplarische Gemeinschaft zu verwirklichen, die heute „Kirche“ genannt wird.

Wäre die Kirche tatsächlich eine exemplarische Gemeinschaft, würden doch alle gern dazugehören. Woran liegt es, dass sie es nicht ist?

• Allgemein kann man nur sagen, dass sie ein defizitärer Zusammenschluss von Getauften ist, die als solche durch die Taufe erfasst worden sind, deren Entscheidung aber fraglich ist. Denn die Voraussetzungen für die Entscheidungsfähigkeit werden weder geklärt, noch verlangt. Dazu müsste zunächst die Bedeutung der Kirche bekannt sein. In der sogenannten Volkskirche hat man sich auf Prägungen durch Andere und Gewohnheiten verlassen. Wenn sie nur kurzledig sind, bleibt nur noch die „Entscheidungskirche“. Sie ist jedoch allenfalls ansatzweise zu finden.

Wie ist man überhaupt auf die Kirche gekommen?

• Darüber wissen wir nur etwas durch Urkunden der ersten Christen, bzw. der Urgemeinde. Sie hatten etwas erfahren und zustande gebracht, was sie nicht für sich behalten wollten. Angefangen hat alles mit der Aufforderung Jesu von Nazareth, sich durch den Geist Gottes befähigen zu lassen, in das Verhältnis zu Gott einzuwilligen, das er zu den Menschen gestiftet hatte. Er konnte sich an Menschen wenden, die sich eines Gottesverhältnisses, bzw. eines Bundes Gottes mit seinem Volk Israel, bewusst waren. Jetzt sollten sie einen „Neuen Bund“ ergreifen und hervorbringen, also ein exemplarisches Miteinander, wo man erfahren konnte, wozu Gott die Menschen befähigt und was sie ihm deswegen zu verdanken haben. Das war nicht nur ein Programm Jesu, sondern an ihm war zu erkennen, dass er ein Mensch mit jenen Fähigkeiten war, die das Wesen Gottes ausmachen: Neuschöpferisch, konstitutiv, zu sprechen und konstitutive Situationen zu schaffen, die dem Miteinander durch einen konstitutiven Umgang immer bessere Möglichkeiten eröffnete.
Diese konstitutive Fähigkeit zeichnete nicht nur ihn, sondern auch seine Jünger aus. Und durch die Weitergabe dieser Fähigkeit entstand eine ausgezeichnete Solidargemeinschaft, wo alle „ein Herz und eine Seele“ waren, wie die Apostelgeschichte berichtet, die wir heute „Kirche“ nennen. Das Wort ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet Gemeinschaft mit dem Herrn.

Dann fehlt also den heutigen Christen die konstitutive Kraft, die nur Gott geben kann.

• Mit Sicherheit ist es überwiegend so. Denn anderenfalls wären die Christen „Sauerteig für die Welt“. Sauerteig ist ein Symbol für konstitutive Kraft. Zwar gibt es immer wieder bei Christen und auch bei Nichtchristen die konstitutive Kraft zur Solidarisierung. Ohne diese Kraft gäbe es nur verordnete und geregelte Zusammenschlüsse von Menschen, aber keine freiheitlichen. Wo es jedoch ein freiheitliches Miteinander gibt, weil einer dem Anderen neue Möglichkeiten eröffnet, die er sonst nicht finden und verwirklichen könnte, dürfte die konstitutive Kraft dessen Quelle sein.
9.5.12 16:49


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