sollen Englands Katholiken auf Empfehlung von Bischof Kieran Conry mit sich führen. Die Glaubenskarte soll täglich daran erinnern, was es bedeutet, in der Nachfolge Christi zu leben. Wenn man eine solche Formulierung liest, darf man doch fragen, warum die Bedeutung der Nachfolge Christi ohne die Glaubenskarte leicht in Vergessenheit kommt. Da das, was jemand für das Wichtigste hält, seine Interessen bestimmt, wird er das Interesse am Wichtigsten beibehalten wollen. Nur eins kann das Wichtigste sein und als solches erkannt werden. Was von der Willensverfassung für die Lebensführung abhängt, scheint kaum der Klärung zu bedürfen. Ob man sich vor der Willensproblematik abwendet, weil sie mit der freiheitlichen Selbstbestimmung abhängt, sollte man wenigstens fragen. – Die Nachfolge Christi ist zwar in der Vergangenheit immer wieder anders verstanden worden, aber als „Nachahmung (Imitatio) Christi“ besteht sie in der Annahme des Menschseins Gottes. Doch das scheint überhaupt kein „Begriff“ zu sein. Man meint, Jesus sei der „göttliche Gesetzgeber“ (Legislator divinus) und der „Glaube“ sei der Wille zur Befolgung der Gebote von Gottes- und Nächstenliebe. Das ist zwar richtig, aber so lässt sich das Problem von Wissen und Wollen einerseits und Können andererseits nicht lösen. Sagt Bischof Conry: „Wir können unseren Glauben zwar nicht in wenigen knackigen Punkten zusammenfassen. Wir hoffen aber, dass diese Karte die Leute dazu bringt, mehr über uns zu erfahren“, kann man wohl nur unter Schwierigkeiten „zur Sache kommen“. Ließe sich die Heilsbotschaft Christi nicht auf eine Postkarte schreiben, brauchte man sich nicht zu wundern, dass nur eine Minderheit sie versteht. Was Christen zu sagen haben, muss plausibel sein: Gott verschenkt sein authentisches Menschsein. Das Problem liegt in der Annahme dieses Menschseins. Da es den Übergang von Selbstgestaltung zu deren gerechter Verwirklichung ermöglicht, muss sich der Mensch fragen, wer er sein soll und hoffen, dass er es sein kann. Interessiert es jemanden nicht, was er in jeder Hinsicht sein soll und wie er es werden kann, kommt er ohne prinzipielle Hoffnung aus. Insofern er in den jeweiligen Situationen zu verwirklichen fähig ist, was er erfüllen soll, hat er es mit Gott zu tun, weil er „mehr“ nicht tun kann als das, was er soll. Das aber ist unselbstverständlich. Denn anderenfalls könnte jeder erfüllen, was er jeweils tun soll. Die Schicksalhaftigkeit des Lebens wäre allenfalls eine Störung.
Montag, 06. Febr. Mk 6,53-56 Sie fuhren auf das Ufer zu, kamen nach Gennesaret und legten dort an. Als sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn sofort. Die Menschen eilten durch die ganze Gegend und brachten die Kranken auf Tragbahren zu ihm, sobald sie hörten, wo er war. Und immer, wenn er in ein Dorf oder eine Stadt oder zu einem Gehöft kam, trug man die Kranken auf die Straße hinaus und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.
• Zunächst müssen die Menschen bei einer Begegnung mit Jesus bemerkt haben, dass von ihm „eine Kraft ausging, die alle heilte“. Was darüber hinaus von ihm „ausging“, sollten sie erste später und bis heute erfahren.
Dienstag, 07. Febr. Mk 7,1-13 Mk 7,1-13 Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, hielten sich bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Und weiter sagte Jesus: Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft und haltet euch an eure eigene Überlieferung. Mose hat zum Beispiel gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter!, und: Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden. Ihr aber lehrt: Es ist erlaubt, dass einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Was ich dir schulde, ist Korbán, das heißt: eine Opfergabe. Damit hindert ihr ihn daran, noch etwas für Vater oder Mutter zu tun. So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung Gottes Wort außer Kraft. Und ähnlich handelt ihr in vielen Fällen.
• Die Menschen wollen ihr Verhältnis zu Gott nach ihrem Ermessen regeln. Sie stellen bis heute Vorschriften auf, deren Befolgung als Kriterium für das Verhältnis zu Gott angesehen wird. Die Bedeutung des Gottesverhältnisses wird nicht einmal angesprochen.
Mittwoch. 08. Febr. Mk 7,14-23 Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein. Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.
• Inwiefern das Verhältnis der Menschen zu Gott von ihrer Bewusstseinsverfassung abhängt, ist problematisch. Kirchliche Ordnungssysteme sollen diese Problematik lösen.
Donnerstag, 09. Febr. Mk 7,24-30 Jesus brach auf und zog von dort in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, dass niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu Füßen. Die Frau, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin. Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den Dämon auszutreiben. Da sagte er zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Sie erwiderte ihm: Ja, du hast recht, Herr! Aber auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen. Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen. Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, dass der Dämon es verlassen hatte.
• Wer ein vorbehaltloses Interesse an der Zukunft eines Anderen hat, bleibt nicht einem unerfüllten Interesse überlassen.
Freitag. 10. Febr. Lk 10,38-42 Sie zogen zusammen weiter und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.
• Funktionales Handeln darf zwar nicht unterbleiben, aber dadurch wird nur etwas erledigt, bzw. es werden Zwecke erfüllt. Was ein Anderer zu verstehen gibt, bringt dem Hörer etwas Neues ein. Darauf kommt es in jeder Hinsicht an.
Samstag, 11. Febr. Mk 8,1-10 In jenen Tagen waren wieder einmal viele Menschen um Jesus versammelt. Da sie nichts zu essen hatten, rief er die Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn einige von ihnen sind von weither gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher soll man in dieser unbewohnten Gegend Brot bekommen, um sie alle satt zu machen? Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen; und die Jünger teilten sie an die Leute aus. Sie hatten auch noch ein paar Fische bei sich. Jesus segnete sie und ließ auch sie austeilen. Die Leute aßen und wurden satt. Dann sammelte man die übrig gebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll. Es waren etwa viertausend Menschen beisammen. Danach schickte er sie nach Hause. Gleich darauf stieg er mit seinen Jüngern ins Boot und fuhr in das Gebiet von Dalmanuta.
• Das Leben hängt von Umständen ab. Fehlen lebensnotwendige Umstände, wird Gott es nicht dabei lassen, sondern Menschen befähigen, sie zu schaffen.
1. Lesung Ijob 7,1-4.6-7 Ijob ergriff das Wort: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück.
Ijob ist eine Symbolfigur für den Menschen, der vom Wirken Gottes nichts erfährt und deswegen pessimistisch über das Leben denkt. Der Pessimismus deckt nicht nur die Unzulänglichkeit des Lebens auf, sondern wirft auch die Frage auf, warum es so und nicht besser ist. Der Mensch lebt im Zeitdasein nicht nur im Schatten der Negativität, sondern in der Negativität selbst. Er kann sich nicht darüber täuschen, dass das Leben „Kriegsdienst“ ist; dass es voller Enttäuschung und Mühsal ist und dass es schließlich kein Glück gibt. Mit der Erfahrung der Negativität aber ist das Wissen um ihr Gegenteil, um die Positivität aufgedeckt. Die Negativität löst die Frage nach der Positivität aus und lässt den Menschen wissen, dass er im Wirkbereich zweier Daseinsmächte lebt. Die Macht des Seins aber kann nur positiv sein, denn wäre die Macht des Seins negativ, könnte nichts sein. Alles was im Dasein ist, hat seinen Ursprung in der sich mitteilenden Positivität. Das ist „philosophischer Glaube“ oder Vernunftglaube, dem der Mensch sich nicht so leicht verschließen kann wie dem religiösen Glauben, der sich auf eine Person bezieht, weil er daraus hervorgeht und auf eine Personenerfahrung angewiesen ist. Religiöser Glaube aber wird nicht selten vom zugewiesenen Kirchenglauben verdrängt, solange Autoritätsgläubigkeit überwiegt. Unter solchen Voraussetzungen kann Gott sich im möglichen Gottesverhältnis der Menschen nicht zeigen. Die immer wieder aufkeimenden religiösen Interessen nehmen dann bedürfnisbedingte Formen an; in und außerhalb der Kirche.
2. Lesung 1 Kor 9,16-19.22-23 Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.
Warum verkündet jemand das „Evangelium“? Paulus sagt, dass es nicht sein Entschluss war, sondern dass ein „unbedingter Anspruch“ es von ihm verlangt. Das „Unbedingte“, also das, was dem Menschen nicht fehlen darf, wird als Evangelium bezeichnet. Was aber will das Evangelium bewirken? Das muss von Anfang an erkennbar sein. Es kann sich nicht in einer Lehre erschöpfen, sondern es muss bewirken, was es zu erkennen gibt. Das Wirken aber muss im Können des Menschen Gestalt annehmen. Der Mensch ist immer (wieder) daran interessiert, mehr verwirklichen zu können als je zuvor. Das Können aber folgt dem Sein. Folglich muss der Mensch das authentische Menschsein – das Menschsein wie es sein soll - verwirklichen können. Aus dem Evangelium wissen wir, dass das authentische Menschsein Gottes dem Evangelium zugrunde liegt und als „Verkündigung“ den Hörern mitgeteilt wird. Denn der Mensch ist auch das, was ihm mitgegeben wird. Auch seine Selbstverwirklichung muss ihm mitgegeben werden. Sie ist darum nicht beliebig verfügbar.
Evangelium Mk 1,29-39 Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.
„Alle suchen dich“. – Aber welche Interessen motivierte die „Suchenden“? Mit Sicherheit die Naheliegenden. Jesus soll Kranke heilen, das genügt ihnen. Jesus aber weiß, was er über das Naheliegende hinaus den Menschen eröffnen muss: Das Verhältnis zu Gott. Hätte er es sich nicht selbst im Gebet erschlossen, hätte er auch keine Notwendigkeit gesehen, es anderen zu ermöglichen. Ermöglichung durch Gott ist bei Menschen eine Befähigung. Außerhalb der Möglichkeiten gibt es nur Notwendigkeiten, Zwänge und Determination, aber keine Freiheit. Gott wirkt ermöglichend. D.h. er bewirkt das, was den Ursachen zugrunde liegen muss. Der Bereich der Ursachen liegt in der Endlichkeit. Der Bereich der Möglichkeiten ist der Bereich der Endlichkeit und der Unendlichkeit. Denn wir wissen weder, wie viele Möglichkeiten es gibt und warum es sie geben kann. Der Beter sucht nach den Fähigkeiten, Möglichkeiten verwirklichen zu können. – Das authentische Menschsein Gottes bezeugen zu können, muss eine Möglichkeit sein. Die erforderlichen Fähigkeiten müssen jedoch gefunden und eingesetzt werden können. Diese Voraussetzung findet der Mensch im Gebet. Im Gebet geht es um Befähigung zur Heilsverkündigung.
• Die Gebetspraxis der Getauften kann als fragwürdig angesehen werden, wo nicht nach der Bedeutung des Gebetes gefragt wird. Als Übernahme der konstitutiven Wahrheit Gottes mit der Wirkung der Selbstkonstitution, können „Fürbitten“ kaum verstanden werden. Auslöser für eine Bitte ist die Erfahrung eines beschädigten, leidvollen Lebens. Der ermöglichende Grund aber ist die Hoffnung auf Erfüllung. Anderenfalls wäre alles Bitten umsonst. Die Heilsverkündigung aber ist der konstitutive Einspruch gegen den Pessimismus. Zu Beginn des neuen Kirchenjahres wird in den Diözesen Deutschlands und des deutschen Sprachraums ein neues Gesang- und Gebetbuch eingeführt. Es bleibt abzuwarten, ob es einen neuen Typ des Beters hervorbringt.
Nie zuvor hatte die Kirche so viele pastorale Mitarbeiter. Sie haben sogar ihre eigene vergrämte Hierachie, die auch von Minderwertigkeitsgefühlen bestimmt ist. Aber niemand hindert sie daran, sich ihren „pastoralen Kopf“ zu machen und zu sagen, was die denken. Schon diese Dialogebene in der Kirche lässt sehr zu wünschen. Pastoral soll die Voraussetzung für die Heilsverkündigung im Umgang der Getauften schaffen. Pastorale Effizienz bleibt von der Kompetenz abhängig. Es lässt sich durchaus feststellen, ob sie vorhanden ist oder fehlt. Dabei kommt es zunächst darauf an, jene Situationen für den Umgang miteinander zu schaffen, die ein Kleriker nicht schaffen kann. Der Kleriker bleibt oft ein Typ in der Gemeinde, der etwas Befremdliches mit sich herumschleppt und verbreitet. Aber auch die Laien sind an Abgrenzung interessiert: „Sie beobachten ihn genau…“. Pastorale Mitarbeiter müssten eine komplementäre Rolle zur klerikalen Pastoral spielen. Was aber aus der Heilsverkündigung „herauskommen“ soll, ist ebenso fraglich wie die Ratlosigkeit zählebig ist. Können etwa die pastoralen Mitarbeiter auch nichts verbessern? Funktionäre sichern allenfalls das System, insoweit sie „spuren“. Auch pastorale Mitarbeiter haben einen „freien Beruf“. Denn in der Kirche werden keine verwertbaren Leistungen vollbracht, sondern es sollen Geisteshaltungen ermöglicht werden, an denen das Interesse an einem Verhältnis zu Gott zu erkennen ist. Das ist immer ein Problem von Aktion und Reaktion. Denn dort spielt sich das Leben ab. In der Welt ist Reaktion und Aktion eine Sache der Interessen. In der Kirche haben pastorale Mitarbeiter sogar die Möglichkeit, etwas zu bewegen, was ohne sie fehlt. Anderenfalls bliebe ihnen nur eine Funktionärsrolle in der Kirche als Institution.
Kommentar zu den Evangelien der 5. Woche im Jahreskreis B – 30. Jan. – 04. Febr. 2012
Montag, 30. Jan. Mk 5,1-20 Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Mann, du unreiner Geist! Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. Und er flehte Jesus an, sie nicht aus dieser Gegend zu verbannen. Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Lass uns doch in die Schweine hineinfahren! Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken. Die Hirten flohen und erzählten alles in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. Da fürchteten sie sich. Die, die alles gesehen hatten, berichteten ihnen, was mit dem Besessenen und mit den Schweinen geschehen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, bei ihm bleiben zu dürfen. Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat. Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten.
Was ist in dieser Erzählung von Bedeutung? Was nützt es uns, zu wissen, woher Dämonen oder schwer Geistesgestörte kommen? Dass Menschen von einer negativen Macht ergriffen und nicht mehr über sich selbst bestimmen können, erleben wir in unterschiedlichen Tatsachen bis heute. Zu bedenken ist, dass das Gesetz der Zugehörigkeit zwar beschädigt, aber nicht abgeschafft werden kann. Doch jeder behält bei aller Abgrenzung einen Platz in der Welt.
Dienstag, 31. Jan Mk 5,21-43 Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Sofort hörte die Blutung auf und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
Auf die Frage, ob ein authentisches Menschsein nur eine Idee ist oder wirklich in der Welt anzutreffen ist, gibt es eine Antwort: Jesus von Nazareth ist – nicht nur für sich – der Mensch, wie er sein soll. Er verhilft in jeder Lebensverfassung denen, die sich nicht helfen können, zu dem, was sie sein sollen.
Mittwoch, 01. Febr. Mk 6,1-6 Von dort brach Jesus auf und kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.
Bekommen Menschen etwas zu hören, reagieren sie ihrem Geistestyp entsprechend. Ist dann damit zu rechnen, dass sie auf das immer und überall gegebene Wirken Gottes nicht reagieren? Die Reaktionen der Menschen auf das Wirken Gottes gibt es zwar. Sie werden aber in ihrer Bedeutung nicht erörtert. Das Verhalten der Menschen wird nach Kategorien von Glaube, Hoffnung und Liebe geordnet und festgestellt. Ob das genügt, fragt niemand.
Donnerstag, 02. Febr. – Darstellung des Herrn Lk 2,22-40 Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden wie dein Wort es verheißen hat. Denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und eine Verherrlichung deines Volkes Israel. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm.
Nur das Interesse an einem Gottesverhältnis kann durch vorgefasste Rituale angezeigt werden, nicht aber das Verhältnis selbst. Es muss immer von Menschen offenbart werden, auf denen „der Geist Gottes ruht“. Das sind wohl nicht alle. Aber jene, die es sind, behalten es nicht für sich.
Freitag, 03. Febr. Mk 6,14-29 Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten. Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden. Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. sEines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.
Wer zwar über das Gottesverhältnis in Kenntnis gesetzt wird, sich aber nicht dafür entscheiden kann, läuft Gefahr, sich selbst eine Falle zu stellen, indem er verspricht, was er lieber nicht erfüllen würde. Von der Unentschiedenheit zur Schuld ist der Weg nicht weit.
Samstag, 04. Febr. Mk 6,30-34 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.
Trotz eines heute höheren Bildungsstandes der Getauften im Verhältnis zu den Hörern Jesu, wird die Bedeutung des Wissens weithin auf funktionale Verwendung beschränkt. Die Frage nach der erforderlichen Bewusstseinsverfassung entfällt darum.
1. Lesung Dtn 18,15-20 Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe. Damals sagte der Herr zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage. Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört, die der Prophet in meinem Namen verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft. Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben.
Stiftet Gott ein Verhältnis zur Menschheit, so lässt sich das nur an Menschen erkennen, durch die Gott sich zu erkennen gibt. Wieso ist es aber wirklich Gott, der sich zu erkennen gibt? Kann das nicht jemand vortäuschen? Ein Prophet weist sich nicht dadurch aus, dass er von Gott redet, so dass die Menschen nur etwas wissen, sondern er muss etwas bewirken, was nicht vorauszusehen war und dem Fortschritt der Menschen dient. Der bedeutsamste Fortschritt liegt in der Solidarisierung der Menschen, die nur bedingt durch die Macht eines Herrschers durchgesetzt werden kann. Sie besteht bestenfalls im menschlichen Wohl, aber nicht im Heil. Heil ereignet sich im unvergänglichen Miteinander. Das aber wird erst in einem Miteinander von Personen erreicht; in personalen Verhältnissen. Das trifft nicht für jedes Miteinander zu. Geschichte im eigentlichen Sinn gibt es erst, wenn das Zusammenleben jeweils besser wird. Im Wohl wie im Heil. Der Initiator für das Neue ist zwar Gott, aber die Konkretion des Neuen löst ein Prophet aus, der nur vollbringen kann, wozu Gott ihn befähigt. Die Geschichte der Christenheit beschränkt sich nicht auf die Geschichte der Kirche, sondern sie muss von ihr ausgehen. Unterbleibt das, hat die Kirche ihr prophetisches Wirken verloren. Sie muss sagen und zeigen können, inwiefern Menschen es mit Gott zu tun haben. Das ist ein Problem der responsorischen Freiheit, die den Menschen dem näher bringt, was er sein soll. Menschen reagieren, wenn ihnen etwas widerfährt.
2. Lesung 1 Kor 7,32-35 Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt.
Inwiefern „dient“ ein Mensch dem „Herrn“? – Das Leben hat nur zuweilen Höhepunkte. Insofern verläuft es allgemein ohne Höhepunkte, da die Mehrzahl der Menschen „durchschnittliche“ Fähigkeiten haben. Erst wenn sie zu etwas Außerordentlichem fähig sind, kommen sie über den Kompromiss hinaus. Dass die Menschen dazu kommen, ist das Interesse Gottes. Wenn sie so weit gekommen sind, entsprechen sie dem Interesse Gottes. Sie „dienen“ ihm. Wir bezeichnen die zentrale sakramentale Gottesbegegnung als „Gottesdienst“. Zu fragen bleibt jedoch, ob die „Gottesdienstteilnehmer“ zusammenkommen, um sich zur Verwirklichung eines besonderen Zusammenlebens befähigen zu lassen, da sich ihr Heil in einer fortschreitenden Weise des Miteinanders ereignet. Die Qualität des Zusammenwirkens ist erfahrungsgemäß die Qualität des Lebens.
Evangelium Mk 1,21-28 Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
Wodurch zeigt sich das Lehren mit göttlicher Vollmacht? „Vollmacht“ ist das Können dessen, was sein soll. Denn „mehr“ kann nicht sein als das, was sein soll. Was die Menschen hören, sollen sie auch verstehen. Wenn sie zu einem neuen Verständnis gebracht werden, können sie von ihrem bisherigen Verständnis abrücken. Doch so weit sind die Hörer Jesu in Karfanaum noch nicht. Das Verständnis ist auch beharrlich und lässt sich entsprechend schwer verändern. Das Neue bemerken die Hörer zwar, aber es löst nur die Frage aus: „Was hat das zu bedeuten?“ Die Bedeutung können sie erst an ihrer Reaktion erkennen. Es wird sich jedoch zeigen, dass die Hörer im Laufe der Zeit überwiegend mit Ablehnung reagieren. Nur die „unreinen Geister“ verfügen über repressive Macht. Unterdrückung ist das Unwesen der Macht. Ihr Wesen ist destruktiv. Die „Vollmacht“ ist konstitutiv und bewirkt durch das Wort und den Umgang Jesu die „Scheidung der Geister“.
• Wo einer für den Anderen sein kann, was er für ihn sein soll, sprechen wir von einem Verhältnis. Ein Verhältnis ist eine Verbundenheit, die besser nicht sein kann. Die Fähigkeit, ein Verhältnis Gott zu stiften, zeichnet einen Propheten aus. Verheiratete haben ein Verhältnis zu einander. Dass ihr Verhältnis zu einander zugleich ein Verhältnis zu Gott ist, lässt sich nur dadurch erklären, dass Gottes Menschsein in beiden Partnern konstitutiv wirkt und sie so als Personen verbindet. Das scheint für den Apostel Paulus jedoch nicht so zu sein. Offenkundig ist das konstitutive Wort Jesu durch das, was er dadurch bewirkt. Es gibt aber auch Aufschluss über die Verfassung seiner Hörer; sowohl der Menschen, wie der „bösen Geister“. Jeder reagiert seinem Geistestyp entsprechend.
Gott teilt sein Menschsein mit. Das bedeutet für jeden Menschen, dass es bei ihm ankommt (und nicht an ihm vorbeiläuft). Wer etwas angeboten bekommt, steht vor Möglichkeiten. Alle Möglichkeiten sind Angebote. Für sich gesehen sind sie noch nicht ergriffenes, nicht angeeignetes Leben. Wer auf etwas re-agiert, zeigt an seinem Verhalten, dass er etwas erkannt oder erlebt hat. Reagiert jemand auf die Mitteilung des Menschseins Gottes, hat er etwas Gute getan. Reagieren viele auf das mitgeteilte Menschsein Gottes, verwirklichen sie das Gute so, dass sie zusammenhalten. Unter dieser Rücksicht erfahren die Menschen das Wirken Gottes. Es kann ja nicht sein, dass die Menschen nur ungefragt am Leben sind, aber nichts zustande bekommen, was ihrem Wesen entspricht, nämlich am Leben sein zu können und das auch zu wollen, ohne dass sie jemand dazu zwingt. Man stelle sich Menschen vor, die auf nichts reagieren. – Jeder reagiert immer wieder auf das, was ihm mitgeteilt oder „angetan“ wird. All dem aber muss etwas vorausgehen, was nicht abgeschaltet werden kann. Das mag man nennen wie man will. Es ist so.