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Kommentar zu den Perikopen des Hochfestes Christi Himmelfahrt B - 17.05.2012

1. Lesung Apg 1,1-11
Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Lukas mag wie ein Reporter vorgehen, aber er liefert seinem Auftraggeber keine bloße Reportage, sondern zwei theologische Werke. Er zeigt am Verhalten Jesu wie die Menschen sich verstehen sollen. Sie sollen jenen eine neue Zukunft ermöglichen, die am Rande der Gesellschaft leben: Zöllner, Sünder, Arme, Kranke und Frauen. Wer etwas über den Umgang Jesu mit Frauen wissen will, kann es bei Lukas lesen.
Die vierzigtägige Unterrichtung der Jünger durch den Auferstandenen war keine nachträgliche Schulung der Jünger, sondern eine Bewusstseinsbildung durch den Geist des Auferstandenen. Es mussten die Voraussetzungen für den Entschluss zur Verkündigung des Gottesreiches geklärt werden.
Wann die Geschichte ihr Ziel erreicht hat, können wir einmal deswegen nicht wissen, weil die Geschichte so lange andauert wie es Menschen auf Erden gibt und sie nicht im Frieden endet, sondern in einer Vielzahl von Katastrophen, die niemand verhindern kann.
In der Welt gibt es kein Leben außerhalb der Macht der Negativität, aber innerhalb der Welt gibt es einen Bereich der Macht unbedingter Positivität. Das ist der Wirkbereich des Heiligen Geistes, der auf die Menschen „herabkommt“ und von ihnen weiterwirkend ausgeht.
Der Umgang mit Jesus hatte für die Jünger ein zeitliches Ende. Das Verhältnis zu ihm war dadurch nicht beeinträchtigt. „Dieses Jesus… wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ Das konstitutive Wirken des Gottmenschen Jesus Christus hört nicht auf.

2. Lesung Eph 1,17-23
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird. Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht.

Geist ist Bewusstsein schaffendes und bildendes Leben oder Leben als sich hervorbringendes Selbstbewusstsein. Das Verstehen aber ist eine besondere Leistung der Erkenntnis. Im Verstehen tritt das jeweils Andere so ins Bewusstsein, dass der Mensch nicht nur etwas feststellt, aber ihm „verständnislos“ gegenübersteht, sondern die Bedeutung erkennt und ein Verhältnis dazu eingehen kann, indem er Folgerungen daraus zieht. Es gibt ohne Verständnis keine Interessen. Denn Interesse ist der Wille zur Teilhabe.
Das Selbstverständnis ist das Bewusstsein von sich selbst. Es sieht sich im Raum von Erinnerung, Absichten, Interessen und Möglichkeiten, also nie ohne sie. Was im Bewusstsein nicht erscheint, liegt unbekannt hinter dem Horizont des Bewusstseins. Darüber hinaus interessiert zu sein, wünscht der Apostel Paulus den Gläubigen in Ephesus: Sie sollen Gott erkennen als den Geber von Weisheit und Offenbarung, damit sie verstehen, mit welcher Hoffnung sie beschenkt sind und welchen Reichtum sie erben werden.
Es gibt ein Menschsein, dem nichts fehlt. Das ist Jesus Christus, dem das Menschsein Gottes ursprünglich eigen ist. Es ist unüberbietbar und verschenkt sich an die Menschen.

Oder
Eph 4,1-13
Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat. Deshalb heißt es: Er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene, er gab den Menschen Geschenke. Wenn er aber hinaufstieg, was bedeutet dies anderes, als dass er auch zur Erde herabstieg?
Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen. Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.

Was die Menschen mit Gott zu tun haben, zeigt sich an ihren Fähigkeiten, durch die sie anderen zu dem verhelfen, was sie allein nicht verwirklichen können. Fähigkeiten zur Befähigung anderer einsetzen zu können, heißt im biblischen Sinn anderen „dienen“. Mehr kann niemand tun. Das Ziel ist es, in mannigfaltigen Weisen des Miteinanders das Menschsein Gottes „in seiner vollendeten Gestalt dazustellen“. Ohne Gestalten erkennen wir nichts. Dem Wesen Gestalt zu geben, heißt lebendig zu sein.

Evangelium Mk 16,15-20
Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.

Was würde den Menschen fehlen, wenn es keine Verkündigung des Evangeliums gäbe? Religionen gibt es auch außerhalb des Evangeliums. Die Verkündigung muss die Menschen zu einer Lebensweise befähigen, durch die sie neuen Sinn in das Leben bringen, der zugleich unvergänglich bleiben muss. Das ist ohne den Geist Gottes nicht möglich.
Die Kompetenz der Jünger erweist sich in ihrem Wirken. Sie können etwas, was Menschen „normalerweise“ nicht können: Tödliche Gefahren überleben und Kranke durch bloße Handauflegung heilen.

• Ein unmittelbares Interesse haben die Menschen am Naheliegenden, an den Lebensumständen. – „Stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ – Die vorauszusetzenden Geisteshaltungen regeln jedoch die Interessen und das Verstehen. Über das Selbstverständnis – die „Augen des Herzens“ - hinaus oder daran vorbei kann niemand etwas verstehen und auch nicht tun. Das Selbstverständnis zu erhellen, ist eine Voraussetzung für das Interesse an einem Gottesverhältnis. Wird dieser Bildungsprozess nicht aufgegriffen, bleibt es bei der ratlosen Klage: Es gelingt immer weniger, die Botschaft Jesu zu vermitteln.
16.5.12 09:33


Wieso ist die Kirche gegenwärtig hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt?

• Sobald der Einzelne oder Gruppen ratlos sind, sind sie auf sie selbst fixiert. Der Ausweg aus der damit verbundenen Selbstbeschäftigung sind Aufgaben. Das weiß man zwar, aber die Erfüllung der Aufgaben hängt auch vom Interesse der Adressaten ab. Als die meisten Getauften sich noch fremdbestimmt verhielten, hatte es die Amtskirche „leicht“. Sobald die Menschen zur Selbstbestimmung fähig und entschlossen sind, muss man ihnen für das, was man ihnen sagt, Gründe nennen. Darauf kann man in der Kirche vergeblich warten. Gründe gelten nicht manchmal oder ungefähr, sondern immer und bestimmt. Sie sind also ver-bindlich.
Die Aufgabe der Kirche besteht darin, den Menschen zu sagen, wodurch sie werden können, was sie in jeder Hinsicht sein sollen. Die dafür erforderlichen Voraussetzungen liegen in der Geistesverfassung des Menschen. Darüber Aufschluss zu geben, ist Aufgabe des Lehramtes. Die Geistesverfassungen bei sich und anderen zu bilden und zu begünstigen, ist die Aufgabe jedes Getauften. Sollte das Lehramt Jahrhunderte hindurch das Selbstverständnis der Getauften mit einer Gotteslehre überlagert haben, die über Gotteserfahrungen nicht redet, weiß sie um das Ergebnis im Selbstverständnis der Getauften und darum auch um die erste Aufgabe zugunsten der Getauften, nämlich das Glaubensverständnis mit dem Selbstverständnis zu verbinden. Das Verständnis regelt das Verhalten. In der daraus hervorgehenden Lebensweise zeigt jeder in vielen Situationen, was jemand sein kann. Das aber muss ihm ermöglicht werden. Die Bedeutsamsten Situationen bestehen im Umgang miteinander. Mit einem exemplarischen Umgang der ersten Christen hat die Kirche begonnen. Warum ist sie heute ratlos? Wenn sie es nicht wissen könnte, müsste sie ratlos bleiben.
15.5.12 09:45


Frage an Pastor Holzauge über die Bedeutung der Kirche

Was würde jemand in der Kirche finden, außerhalb der Kirche jedoch nie?

• Zweifellos würde er etwas zu hören bekommen, was keine andere Instanz in der Welt sagt: Dass es eine Inkarnation Gottes gibt; dass die unvergängliche Wirklichkeit Gottes sich vorbehaltlos an die Welt mitteilt. Und dass die Reaktion auf die Selbstmitteilung Gottes an den Menschen zum Ausdruck kommt, die das können, was ohne die Selbstmitteilung Gottes nicht möglich ist, nämlich eine exemplarische Gemeinschaft zu verwirklichen, die heute „Kirche“ genannt wird.

Wäre die Kirche tatsächlich eine exemplarische Gemeinschaft, würden doch alle gern dazugehören. Woran liegt es, dass sie es nicht ist?

• Allgemein kann man nur sagen, dass sie ein defizitärer Zusammenschluss von Getauften ist, die als solche durch die Taufe erfasst worden sind, deren Entscheidung aber fraglich ist. Denn die Voraussetzungen für die Entscheidungsfähigkeit werden weder geklärt, noch verlangt. Dazu müsste zunächst die Bedeutung der Kirche bekannt sein. In der sogenannten Volkskirche hat man sich auf Prägungen durch Andere und Gewohnheiten verlassen. Wenn sie nur kurzledig sind, bleibt nur noch die „Entscheidungskirche“. Sie ist jedoch allenfalls ansatzweise zu finden.

Wie ist man überhaupt auf die Kirche gekommen?

• Darüber wissen wir nur etwas durch Urkunden der ersten Christen, bzw. der Urgemeinde. Sie hatten etwas erfahren und zustande gebracht, was sie nicht für sich behalten wollten. Angefangen hat alles mit der Aufforderung Jesu von Nazareth, sich durch den Geist Gottes befähigen zu lassen, in das Verhältnis zu Gott einzuwilligen, das er zu den Menschen gestiftet hatte. Er konnte sich an Menschen wenden, die sich eines Gottesverhältnisses, bzw. eines Bundes Gottes mit seinem Volk Israel, bewusst waren. Jetzt sollten sie einen „Neuen Bund“ ergreifen und hervorbringen, also ein exemplarisches Miteinander, wo man erfahren konnte, wozu Gott die Menschen befähigt und was sie ihm deswegen zu verdanken haben. Das war nicht nur ein Programm Jesu, sondern an ihm war zu erkennen, dass er ein Mensch mit jenen Fähigkeiten war, die das Wesen Gottes ausmachen: Neuschöpferisch, konstitutiv, zu sprechen und konstitutive Situationen zu schaffen, die dem Miteinander durch einen konstitutiven Umgang immer bessere Möglichkeiten eröffnete.
Diese konstitutive Fähigkeit zeichnete nicht nur ihn, sondern auch seine Jünger aus. Und durch die Weitergabe dieser Fähigkeit entstand eine ausgezeichnete Solidargemeinschaft, wo alle „ein Herz und eine Seele“ waren, wie die Apostelgeschichte berichtet, die wir heute „Kirche“ nennen. Das Wort ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet Gemeinschaft mit dem Herrn.

Dann fehlt also den heutigen Christen die konstitutive Kraft, die nur Gott geben kann.

• Mit Sicherheit ist es überwiegend so. Denn anderenfalls wären die Christen „Sauerteig für die Welt“. Sauerteig ist ein Symbol für konstitutive Kraft. Zwar gibt es immer wieder bei Christen und auch bei Nichtchristen die konstitutive Kraft zur Solidarisierung. Ohne diese Kraft gäbe es nur verordnete und geregelte Zusammenschlüsse von Menschen, aber keine freiheitlichen. Wo es jedoch ein freiheitliches Miteinander gibt, weil einer dem Anderen neue Möglichkeiten eröffnet, die er sonst nicht finden und verwirklichen könnte, dürfte die konstitutive Kraft dessen Quelle sein.
9.5.12 16:49


Kommentar zu den Evangelien der Werktage vor Christi Himmelfahrt in der 6. Osterwoche

Montag, 14. Mai
Joh 15,26-16,
Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert. Das habe ich euch nicht gleich zu Anfang gesagt; denn ich war ja bei euch.

Trennung im irdischen Dasein, aber Verbundenheit durch den Geist Gottes. Es ist sein Wesen Verbundenheit zu schaffen und sie als „Zeugnis“ weiterwirken zu lassen.

Dienstag, 15. Mai
Joh 16,5-11
Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist; Sünde: dass sie nicht an mich glauben; Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Mit dem Geist Gottes kommt das Menschsein Gottes zu den Jüngern.



Mittwoch, 16. Mai
Joh 16,12-15
Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Der Geist der Wahrheit wird euch in die ganze Wahrheit führen.
Der Mensch als Adressat der Wahrheit kann deswegen nicht die Zeit abwarten, bis es einen Fortschritt im Heils- und Glaubensverständnis gibt. Vielmehr muss er nach dem Ersten von allem, nach der Wahrheit, fragen, um sie neu zu erkennen. Dieses Bemühen kommt angesichts der Mittelmäßigkeit der Interessen nicht zum Zuge.
14.5.12 09:00


Kommentar zu den Perikopen des 6. Ostersonntags B - 13. Mai 2012

1. Lesung Apg 10,25-26.34-35.44-48
Als nun Petrus ankam, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch. Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

Kommt der Heilige Geist auf Menschen herab, so können sie das nicht mit einer Selbstsuggestion verwechseln. Das Selbstverständnis, das jedem sagt, wer er sein will, akzeptiert eine bedeutsamere Lebensauffassung. Man hat sie sich nicht ausgedacht, sondern sie ist zugesprochen, verkündigt worden und zeigt sich in neuen Fähigkeiten. („Zugenreden“, Glossolalie genannt, ist jedoch allenfalls ein Erstes, das nicht beabsichtigt ist).

2. Lesung 1 Joh 4,7-10
Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

Der Nachweis für ein Gottesverhältnis ist die Liebe. Sie ist eine Verhältnis schaffende Fähigkeit, die nicht angeordnet oder erzwungen werden kann. Ein Verhältnis kann nur der jeweils Andere realisieren. Er hat eine konstitutive Fähigkeit. Sie hat ihren Grund im Menschsein Gottes. Anderenfalls könnte sich jeder so in Szene setzen, dass der Andere vor ihm gewissermaßen „dahinschmilzt“. Ein Verhältnis bezeichnet jedoch die Verbundenheit von Personen, die infolge der prinzipiellen Abgrenzung und der damit verbundenen „Unverfügbarkeit“ nur durch ein gegenseitig konstitutives Vermögen zustande kommen kann.
Darin dürfte die Sakramentalität der Ehe bestehen oder die „Sakramentalität des Nächsten“, von der Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen.“

Evangelium Joh 15,9-17
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!


Erneut finden wir hier die Formulierung: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Das Bedeutsamste, was jemand tun kann, ist die Fähigkeit ihm zu einem Menschsein zu verwirklichen, das ihm anders nicht möglich ist. Das Miteinander ist dann nicht nur hilfreich, sondern konstitutiv, weil die Liebe der Menschen durch die Liebe Gottes konstitutiv ist. So lässt sich sagen, was den Menschen zum Christen macht: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleit in meiner Liebe.“ Das Wirken Gottes ist seinem Wesen nach konstitutiv, geht es auf den Menschen über, vermag er ebenfalls konstitutiv, bzw. liebend zu wirken.
12.5.12 09:03


"Wir müssen und müssen und müssen...

Wir müssen einen „neuen Aufbruch“ wagen. Wir müssen einen „Dialogprozess auf Augenhöhe“ … Wen aber interessiert das überhaupt? Weiß niemand in den Chefetagen der Kirche, wann ein Interesse an der Kirche erst möglich ist? Dann müssen wir uns fragen, warum sie das nicht sagen.
8.5.12 16:51


Kommentar zu den Evangelien der 5. Osterwoche C - 7.-12.5.2012

Montag, 07. Mai
Joh 14,21-26
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Judas - nicht der Judas Iskariot - fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Gottes „Gebote“ – sie werden im Johannesevangelium ‚Mandate‘ genannt – geben sein konstitutives Wirken zu erkennen. An seiner Reaktion gibt der Mensch zu erkennen, wer er ist. Er weiß aber auch, warum er es sein kann.
Um über den Anfang hinauszukommen, muss der Mensch den Geist Gottes empfangen, der ihm die Bedeutung des Lebens bewusst macht. Wer über die Durchschnittlichkeit seiner Lebensauffassung nicht hinauskommen will und am „kleine-Leute-Komplex“ festhält dürfte sich gegen das Wirken des Geistes Gottes abgrenzen.

Dienstag, 08. Mai
Joh 14,27-31
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt. Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht, aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.

Friede – Schalom – ist eine Grundbedingung. Der Friede gibt zu verstehen: Die Lebensverhältnisse sind in Ordnung. Nun schaffe jene Lebensordnung, die erforderlich ist in Gerechtigkeit und sinnvollem Umgang miteinander. Der „Herrscher der Welt“ wird aber weiterhin Konflikt schaffen.

Mittwoch, 09. Mai
Joh 15,1-8
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Der Sinn des Lebens ist es, unvergänglichen Lebenssinn zu stiften und in diesem Sinne „Früchte bringen“ zu können. Das kann jedoch nur dadurch geschehen, dass sich die Menschen vom Menschsein Gottes konstituieren lassen.


Donnerstag, 10. Mai
Joh 15,9-11
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Das neuschaffende Wirken Gottes, des Vaters, ist durch Jesus in die Welt gekommen und wird in der Welt bleiben, wenn Menschen es weitergeben und so dem jeweils Anderen dazu verhelfen, sein zu können, was er sein soll.

Freitag, 11. Mai
Joh 15,12-17
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Wer für einen Anderen Lebensmöglichkeiten schafft, die ihm sonst fehlen würden, kann mehr nicht tun. Er „liebt“ den Anderen.
Durch das Menschsein Gottes sind jedem Lebensmöglichkeiten angeboten, die es sonst nicht geben könnte. Sie werden zugleich mit der „Nächstenliebe“ eröffnet.



Samstag, 12. Mai
Joh 15,18-21
Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Hass ist die Reaktion dessen, der den Unterschied zu denen, nicht ertragen kann, die etwas Besseres vorzuweisen haben. Denn um das Gutsein einem Anderen „gutzuheißen“, ist ein entsprechendes Bejahungspotential notwendig. Der Gehässige zeigt, dass es ihm fehlt. Das ist darauf zurückzuführen, dass er kein Verhältnis zu Gott hat. Das Verhältnis zu Gott aber wird durch sein und der Jünger konstitutives Wort ermöglicht.
6.5.12 17:17


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