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Kommentar zu den Perikopen des 5. Sonntags im Jahreskreis B - 05. Februar 2012

1. Lesung Ijob 7,1-4.6-7
Ijob ergriff das Wort: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück.

Ijob ist eine Symbolfigur für den Menschen, der vom Wirken Gottes nichts erfährt und deswegen pessimistisch über das Leben denkt. Der Pessimismus deckt nicht nur die Unzulänglichkeit des Lebens auf, sondern wirft auch die Frage auf, warum es so und nicht besser ist.
Der Mensch lebt im Zeitdasein nicht nur im Schatten der Negativität, sondern in der Negativität selbst. Er kann sich nicht darüber täuschen, dass das Leben „Kriegsdienst“ ist; dass es voller Enttäuschung und Mühsal ist und dass es schließlich kein Glück gibt.
Mit der Erfahrung der Negativität aber ist das Wissen um ihr Gegenteil, um die Positivität aufgedeckt. Die Negativität löst die Frage nach der Positivität aus und lässt den Menschen wissen, dass er im Wirkbereich zweier Daseinsmächte lebt. Die Macht des Seins aber kann nur positiv sein, denn wäre die Macht des Seins negativ, könnte nichts sein. Alles was im Dasein ist, hat seinen Ursprung in der sich mitteilenden Positivität. Das ist „philosophischer Glaube“ oder Vernunftglaube, dem der Mensch sich nicht so leicht verschließen kann wie dem religiösen Glauben, der sich auf eine Person bezieht, weil er daraus hervorgeht und auf eine Personenerfahrung angewiesen ist. Religiöser Glaube aber wird nicht selten vom zugewiesenen Kirchenglauben verdrängt, solange Autoritätsgläubigkeit überwiegt. Unter solchen Voraussetzungen kann Gott sich im möglichen Gottesverhältnis der Menschen nicht zeigen. Die immer wieder aufkeimenden religiösen Interessen nehmen dann bedürfnisbedingte Formen an; in und außerhalb der Kirche.

2. Lesung 1 Kor 9,16-19.22-23
Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.

Warum verkündet jemand das „Evangelium“? Paulus sagt, dass es nicht sein Entschluss war, sondern dass ein „unbedingter Anspruch“ es von ihm verlangt. Das „Unbedingte“, also das, was dem Menschen nicht fehlen darf, wird als Evangelium bezeichnet. Was aber will das Evangelium bewirken? Das muss von Anfang an erkennbar sein. Es kann sich nicht in einer Lehre erschöpfen, sondern es muss bewirken, was es zu erkennen gibt. Das Wirken aber muss im Können des Menschen Gestalt annehmen. Der Mensch ist immer (wieder) daran interessiert, mehr verwirklichen zu können als je zuvor. Das Können aber folgt dem Sein. Folglich muss der Mensch das authentische Menschsein – das Menschsein wie es sein soll - verwirklichen können. Aus dem Evangelium wissen wir, dass das authentische Menschsein Gottes dem Evangelium zugrunde liegt und als „Verkündigung“ den Hörern mitgeteilt wird. Denn der Mensch ist auch das, was ihm mitgegeben wird. Auch seine Selbstverwirklichung muss ihm mitgegeben werden. Sie ist darum nicht beliebig verfügbar.

Evangelium Mk 1,29-39
Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.
Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.
In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

„Alle suchen dich“. – Aber welche Interessen motivierte die „Suchenden“? Mit Sicherheit die Naheliegenden. Jesus soll Kranke heilen, das genügt ihnen. Jesus aber weiß, was er über das Naheliegende hinaus den Menschen eröffnen muss: Das Verhältnis zu Gott. Hätte er es sich nicht selbst im Gebet erschlossen, hätte er auch keine Notwendigkeit gesehen, es anderen zu ermöglichen. Ermöglichung durch Gott ist bei Menschen eine Befähigung. Außerhalb der Möglichkeiten gibt es nur Notwendigkeiten, Zwänge und Determination, aber keine Freiheit.
Gott wirkt ermöglichend. D.h. er bewirkt das, was den Ursachen zugrunde liegen muss. Der Bereich der Ursachen liegt in der Endlichkeit. Der Bereich der Möglichkeiten ist der Bereich der Endlichkeit und der Unendlichkeit. Denn wir wissen weder, wie viele Möglichkeiten es gibt und warum es sie geben kann. Der Beter sucht nach den Fähigkeiten, Möglichkeiten verwirklichen zu können. – Das authentische Menschsein Gottes bezeugen zu können, muss eine Möglichkeit sein. Die erforderlichen Fähigkeiten müssen jedoch gefunden und eingesetzt werden können. Diese Voraussetzung findet der Mensch im Gebet. Im Gebet geht es um Befähigung zur Heilsverkündigung.

• Die Gebetspraxis der Getauften kann als fragwürdig angesehen werden, wo nicht nach der Bedeutung des Gebetes gefragt wird. Als Übernahme der konstitutiven Wahrheit Gottes mit der Wirkung der Selbstkonstitution, können „Fürbitten“ kaum verstanden werden.
Auslöser für eine Bitte ist die Erfahrung eines beschädigten, leidvollen Lebens. Der ermöglichende Grund aber ist die Hoffnung auf Erfüllung. Anderenfalls wäre alles Bitten umsonst. Die Heilsverkündigung aber ist der konstitutive Einspruch gegen den Pessimismus.
Zu Beginn des neuen Kirchenjahres wird in den Diözesen Deutschlands und des deutschen Sprachraums ein neues Gesang- und Gebetbuch eingeführt. Es bleibt abzuwarten, ob es einen neuen Typ des Beters hervorbringt.
4.2.12 10:46
 
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