sollen Englands Katholiken auf Empfehlung von Bischof Kieran Conry mit sich führen. Die Glaubenskarte soll täglich daran erinnern, was es bedeutet, in der Nachfolge Christi zu leben. Wenn man eine solche Formulierung liest, darf man doch fragen, warum die Bedeutung der Nachfolge Christi ohne die Glaubenskarte leicht in Vergessenheit kommt. Da das, was jemand für das Wichtigste hält, seine Interessen bestimmt, wird er das Interesse am Wichtigsten beibehalten wollen. Nur eins kann das Wichtigste sein und als solches erkannt werden. Was von der Willensverfassung für die Lebensführung abhängt, scheint kaum der Klärung zu bedürfen. Ob man sich vor der Willensproblematik abwendet, weil sie mit der freiheitlichen Selbstbestimmung abhängt, sollte man wenigstens fragen. – Die Nachfolge Christi ist zwar in der Vergangenheit immer wieder anders verstanden worden, aber als „Nachahmung (Imitatio) Christi“ besteht sie in der Annahme des Menschseins Gottes. Doch das scheint überhaupt kein „Begriff“ zu sein. Man meint, Jesus sei der „göttliche Gesetzgeber“ (Legislator divinus) und der „Glaube“ sei der Wille zur Befolgung der Gebote von Gottes- und Nächstenliebe. Das ist zwar richtig, aber so lässt sich das Problem von Wissen und Wollen einerseits und Können andererseits nicht lösen. Sagt Bischof Conry: „Wir können unseren Glauben zwar nicht in wenigen knackigen Punkten zusammenfassen. Wir hoffen aber, dass diese Karte die Leute dazu bringt, mehr über uns zu erfahren“, kann man wohl nur unter Schwierigkeiten „zur Sache kommen“. Ließe sich die Heilsbotschaft Christi nicht auf eine Postkarte schreiben, brauchte man sich nicht zu wundern, dass nur eine Minderheit sie versteht. Was Christen zu sagen haben, muss plausibel sein: Gott verschenkt sein authentisches Menschsein. Das Problem liegt in der Annahme dieses Menschseins. Da es den Übergang von Selbstgestaltung zu deren gerechter Verwirklichung ermöglicht, muss sich der Mensch fragen, wer er sein soll und hoffen, dass er es sein kann. Interessiert es jemanden nicht, was er in jeder Hinsicht sein soll und wie er es werden kann, kommt er ohne prinzipielle Hoffnung aus. Insofern er in den jeweiligen Situationen zu verwirklichen fähig ist, was er erfüllen soll, hat er es mit Gott zu tun, weil er „mehr“ nicht tun kann als das, was er soll. Das aber ist unselbstverständlich. Denn anderenfalls könnte jeder erfüllen, was er jeweils tun soll. Die Schicksalhaftigkeit des Lebens wäre allenfalls eine Störung.